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Antwort auf die offene Beratung über das Projekt betreffend das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Fotodesigner

Berufe : Fotografen (Juni 2008)

1 Vorwort

Das Schweizerische Museum der Fotografie in Vevey ist mit der Gesamtheit des fotografischen Milieus eng verbunden, unabhängig davon, ob es sich um Beruf- oder Amateurfotografen handelt. Es finden dort regelmässig verschiedene Treffen oder Versammlungen statt.

Eines der Hauptanliegen des Museums ist die Bewahrung der Tradition und Berufe rund um die Fotografie und die Präsentation derselben für die Öffentlichkeit.

Angeregt von der jetzigen Debatte über die Berufsausbildung möchten wir hier eine Bilanz ziehen und danach einige Informationen oder Korrekturen über die Geschichte der Berufe und Identität und Motivationen der Lehrlinge und Studenten bezüglich der Ausbildungen geben und zuletzt versuchen, unseren Blick auf die Zukunft oder zumindest eine « unmittelbare » Zukunft zu richten.

2 Scheinbare Annäherung der Sichtweisen

Zunächst muss der Wille aller an der Debatte Beteiligten, eine annehmbare Lösung für die Ausbildung der Fotografen zu finden, genannt werden. Jeder möchte am zukünftigen Erfolg der Berufsgruppe teilhaben. Der Wunsch, den zukünftigen Berufsfotografen eine glaubwürdige und seriöse Ausbildung anzubieten wird von allen Beteiligten bekräftigt. Alle sehen die Notwendigkeit ein, Qualität und Relevanz der Ausbildung für einen Beruf zu stärken, der, wie auch andere Berufe, den wirtschaftlichen und technologischen Änderungen dieses Jahrtausends unterworfen ist. So hat jeder für sich, je nach Funktion und Situation des sozio-ökonomischen Blickwinkels, eine andere gute Lösung.

Hauptgrund für die jetzigen Spannungen ist sicherlich die fehlende Gesamtsicht über die unterschiedlichen Berufe der Fotografie. Der vorgeschlagene Weg hat eine direkte strategische Auswirkung auf die Zukunft der Tätigkeitsbereiche. Die durch diese Lage verursachte Spaltung zwischen den Regionalverbänden ist eine ernste Behinderung für die Gesamtheit der Berufe der Fotografie und alle werden darunter leiden.

Die Hoffnung unserer Institution ist es, dass der helvetische Konsensgeist in dieser Debatte seinen Platz wieder findet und so ein gemeinschaftsförderndes Projekt möglich wird, das nicht nur annehmbar, sondern begeisterungsfähig wird.

3 Die Berufe der Fotografie

Fotograf, Fotodesigner, Reporter, wissenschaftlicher Fotograf, Künstler, Handelsfotograf… Kein Zweifel, für einen neutralen Beobachter vereinfacht die Vielfalt der Namen nicht die Annäherung an diese Berufe. Dazu besitzt noch fast jeder von uns einen Fotoapparat und die Versuchung ist gross daran zu glauben, dass Fotografie sich in den technischen Fähigkeiten dieses Gerätes zusammenfassen lässt. Dieses Gefühl wird noch durch einige neue Ausstellungen und Publikationen verstärkt, die irrtümlicherweise die Debatte mit der Aussage vereinfachen, dass wir alle «talentierte» Fotografen sind.

3.1 Fotograf / Laborant / Korrektor / Verkäufer
Der erste Fotoberuf ist eine kaufmännische und handwerkliche Tätigkeit. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird der Grossteil des Marktes durch Unternehmen gehalten, die alle Leistungen der Branche anbieten. Verkauf der Apparate und Zubehör, Porträts und verschiedenen Anfragen für Fotos, sei es für die (anfängliche) Werbung oder Industrie, sowie auch diverse Laborarbeiten, sogar Postkartenherstellung. Diese Unternehmen liefern auch Zubehör an die in Unternehmen und Verwaltungen integrierten Fotobereiche. Einige funktionieren als Importeure und Grossisten. Der Leiter ist gleichzeitig Verkäufer und Fotograf, er beschäftigt Laboranten, Korrektoren, Verkäufer, wenigstens einen Assistenz-Fotografen sowie Verwaltungspersonal und Hilfskräfte. Diese Art Unternehmen bildet Lehrlinge in diesen vier Berufsparten aus.

3.2 Pressefotograf (wenig betroffen durch das eidgenössische Fähigkeitszeugnis des Fotografen)
Seit Beginn der illustrierten Presse haben Amateurfotografen eine beachtliche Rolle gespielt, um später oft professionelle Fotoreporter zu werden. Dies ist in der Berufsgruppe immer noch lebendig und man trifft noch immer viele Autodidakten, die später ausgezeichnete Professionelle wurden.

3.3 Spezialisierung der Handelsfotografen (nicht betroffen durch das eidgenössische Fähigkeitszeugnis des Fotografen)
Nach dem Zweiten Weltkrieg finden grosse Änderungen in den Städten und Grenzstädten statt. Im Gegensatz zum restlichen Europa importiert die Schweiz von überall unterschiedliche Güter und Investitionsgüter, während die meisten Länder scharfe Kontrolle über Wechsel und Import ausüben, um ihre Währung zu schützen. Darüber hinaus ist die Luxusgütersteuer in der Schweiz weniger hoch und wird viel schneller als in anderen Ländern abgeschafft.

In dieser Lage hat sich ein nicht unerheblicher Markt entwickelt, der den Reichtum der Geschäftsleute von Grenzstädten und Grossstädten bedeutete. Unnötig zu sagen, dass diese Unternehmen gänzlich den Bereich Fotoaufnahmen fallen liessen und den Bereich Labor, sobald dieser Zweig industrialisiert wurde, an Dritte delegierten. Der Kaufmann hat den Fotograf ersetzt.

Der traditionelle Beruf des Handelsfotografen ist dort bestehen geblieben, wo sich der Markt wenig oder gar nicht geändert hat, zum Beispiel in regionaleren Gebieten, in denen sich die traditionellen Fotografenaufträge (Hochzeiten, Erstkommunionen usw.) durch Aufnahmen für lokale kleine und mittlere Unternehmen erweitert haben. Dieser Beruf hat seinen eigenen Abschluss (eidgen. Fähigkeitszeugnis als Foto-Fachangestellter).

3.4 Industrie- und Werbefotograf (vom eidgen. Fähigkeitszeugnis des Fotografen betroffen)
Das Aufkommen der Werbefotografie im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg ist beträchtlich. Der Einfluss von Gertrude Fehr der Ecole de photographie de Vevey und von Hans Finsler in Zürich ist genauso wichtig wie der der «Schweizerischen Grafik», von denen einige Repräsentanten den Beruf des Werbefotografen ausübten, um die ihren Erwartungen entsprechenden Aufnahmen zu machen, gerade was eine heute vergessene Technik, den Schabekarton (scratchboard), betrifft. Das Ergebnis dieser Art von Gravur, ausgehend von einer Schwarzweiss-Fotografie, die auf einem starken Barytkarton entstand, um als Vorlage der Gravur für Bilder zu dienen, war wesentlich eindrücklicher als der Graueffekt einer typographisch hergestellten Fotografie.

Industrie und Werbung forderten von den Fotografen einerseits « nicht kreative Bilder », die wie einfache graphische Elemente der Typografie wirkten, und andererseits Fotos, bei denen sich die Komposition und die Beziehung zum Objekt mit der Tiefe und dem Schatten sich von den Abstraktionsprinzipien der ästhetischen Bewegung der 30er Jahre nährte.

Der Werbefotograf wird ein Virtuose der Beleuchtung. Die Fotoateliers beschäftigen häufig viele Fotografen und Laboranten und ihre Einrichtungen erlauben die gleichzeitige Installation mehrerer Aufnahmesets. Die Anfrage ist rege, die Preise werden kaum in Frage gestellt. Diese Ateliers bieten ausgezeichnete Ausbildungsplätze. Der Beruf des Werbefotografen wird immer spezieller, die Techniken immer raffinierter, um eine anspruchsvolle Kundschaft zufrieden zu stellen, die Uhrenindustrie ist dafür ein gutes Beispiel.

Diese Lehrlinge finden Arbeit, sei es als Selbstständige oder als Angestellte grosser Industriezweige oder im öffentlichen Dienst. Sie arbeiten in unterschiedlichen Bereichen als Industriefotografen oder als Wissenschaftsfotografen oder beim Fernsehen, für das der Abschluss des Fotografen unabdingbar war, um eine interne Ausbildung zum Kameramann oder Bildbearbeiter zu absolvieren.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch den Ölpreis-Schock Anfang der 70er Jahre setzten sich progressiv fort und zwangen eine Vielzahl von Fotografen, allein weiterzuarbeiten und die Fläche ihrer Studios zu verkleinern. Dies machte die Situation für Lehrlinge und Praktikanten der Berufsschulen wesentlich schwieriger. Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung:

Die Abnahme der Ausbildungsplätze begann bereits vor Beginn der digitalen Fotografie.

Heute ist die Werbefotografie mit Abstand der wichtigste Bereich der Branche. Die Lektüre von Zeitschriften und Katalogen reflektiert ausgezeichnet die landläufigen Aktivitäten der Werbefotografen. Fotos für Kataloge grosser Warenhäuser oder Produkthersteller lassen wenig Platz für Kreativität, sondern fordern das Talent eines ausgezeichneten Technikers, dem es möglich ist, eine Auftragsarbeit auszuführen.

Bleibt anzumerken, dass das System der Repräsentation des Berufstandes durch eine einzige Vereinigung der freischaffenden Fotografen es nicht erlaubt, für die Gesamtheit der Fotografen zu sprechen, da sie für die angestellten Fotografen kein Sprachrohr darstellt.

3.5 «Kreativer» Fotograf oder Fotodesigner
Zu allen Zeiten haben Fotografen ihre eigenen kreativen Ideen verwirklicht. Einige haben versucht, berühmt zu werden, andere wurden berühmt, wieder andere sahen, wie ihre Werke zu Kunstwerken stilisiert wurden.

Seit den 80er Jahren ist die Fotografie immer wichtiger und zu einer Art Mode geworden. Die heutigen Kreativen haben sich das Medium zu Eigen gemacht, das heute innerhalb des Kunstmarktes einen immer grösseren Platz einnimmt. Die Modefotografie und der ästhetische Ruhm, der sie umgibt, zieht auch immer mehr Kreative der Kunstschulen an.

Diese machen sich die für ihre eigene Arbeit notwendigen technischen Kenntnisse zu Eigen und verwenden die Ressourcen der Fotografen zu Gunsten einer technischen Ausbildung, um Bilder zu machen, die sie selbst nicht machten könnten, sondern dessen Konzeption sie leiten.

Das Renommee der Kunstfotografen wird wichtig und das damit verbundene Prestige bleibt den Werbeverantwortlichen nicht verborgen, auch sie auf der Suche nach Kreativität für immer gewagtere Kampagnen. Für die kreativsten Fotografen öffnet sich so ein neuer Markt. Dennoch ist diese Art Tätigkeit mit hoher Rentabilität nur ein Teil des Marktes, wo die Fotografen mit solider technischer Ausbildung anderen begegnen, die grosse Verachtung für dieselbe Technik haben.

Wie in allen kreativen Berufen können nur wenige Fotografen wirklich von ihrer Kunst leben und die meisten, seien sie auch noch so talentiert, kommen nicht umhin, Auftragsarbeiten anzunehmen, bei denen sie ihr Wissen und ihre Techniken in den Dienst von Werbung oder Agenturen stellen und Konzepte realisieren müssen, die sie von anderen erhalten haben, was mit der gängigen Logik des derzeitigen CFC-Ausbildungsniveaus übereinstimmt.

3.6 Fotodesigner, Artdirector, künstlerischer Direktor, Fotoredakteur
Der Begriff Designer, aus dem Englischen kommend, bezeichnet den Entwickler eines Produktes, welches Ästhetik und Funktionalität in sich vereint.

Mit der internationalen Koordination der Studiengänge wurde dieser Begriff zum Label der HES-Ausbildung Design, verbunden mit einem Prä- oder Suffix, welches das Tätigkeitsfeld bestimmt. So kann man bei Fotodesigner über die klassische Rolle des künstlerischen Direktors oder Fotoredakteurs lesen, was aber nichts über die Qualität eines Fotografen mit höherer Ausbildung mit demselben Zertifikat wie beispielsweise FMH oder SIA aussagt.

Aus semantischer Sicht scheint es uns sehr unwahrscheinlich, dass in der normalen Umgangsprache die Namen von Fotografen wie Robert Franck oder Henri Cartier-Bresson als «Fotodesigner» eingestuft werden. Genauso wenig glauben wir daran, dass wir je «Fotodesign»-Ausstellungen besuchen werden.

Aus Sicht des Marketings könnte diese Terminologie ein strategischer Irrtum sein. In der Tat unterscheidet ausschliesslich sein hohes Niveau den Fotografen und seine Arbeiten von anderen Fotografen.

4 Identität und Motivation der Kandidaten und Ausbildungen

Mit der Entwicklung der Berufe der Fotografie wird es immer schwieriger, fast unmöglich, die Ausbildung unter einem einzigen Aspekt zusammenzufassen. Die Jugendlichen, die sich dafür interessieren, wissen wohl, was sie möchten.
Sie möchten es unbedingt schaffen, so ist es sinnlos, ihnen einen Weg aufzuzwingen, den sie nicht gehen wollen.

Als Beobachter einiger Versuche an der Fachhochschule der Fotografie von Vevey mussten wir feststellen, dass wir uns mittlerweile einer Vielzahl von Ausbildungsanfragen, Berufsprojekten oder künstlerischen Projekten gegenübergestellt sehen, also „verschiedenen Schulbevölkerungen“.

Im Laufe des Jahres 2000 war die höhere Ausbildung der Fachhochschule der Fotografie von Vevey stark auf die Richtung der zeitgenössische Kunst hin ausgerichtet. Einige Schüler wurden schnell auf der internationalen Szene anerkannt, Preise und Auszeichnungen belohnten die Studenten am Ende ihrer Ausbildung. Dieser Studiengang setzte den CFC voraus, war aber auch für Schüler der Oberstufe offen, sofern sie eine Erfahrung auf dem Gebiet vorweisen konnten… Die Reaktion war absehbar! Kaum am Beruf des Fotografen interessiert, verliessen die Studenten, die auf der Suche nach einer künstlerischen Ausbildung waren, diesen Weg, um direkt die gewünschte Ausbildung zu beginnen.

Ganz anders ist es bei der technischen Fotografie und der Werbefotografie, die auch zahlreiche Berufswege schafft. Nicht alle Schüler und Lehrlinge, künftige Inhaber eines CFC der Fotografie, wollen einer höheren Ausbildung folgen oder eine Kunstschule besuchen. Ihr Eintritt ins aktive Berufsleben ist nicht immer einfach, aber wir verfolgen die Aktivitäten vieler von ihnen, die ihren Weg machen. Viel mehr involviert in die neuen Verwendungsmöglichkeiten, die aus der digitalen Technik entstanden sind, sind sie tüchtig und innovativ. Zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Strukturen des Berufs im Umbruch befinden, wäre es unehrlich, das aussergewöhnliche Innovationspotential derer zu negieren, die, bereits vor Beginn ihrer Ausbildung, mit diesen neuen Verwendungsmöglichkeiten vertraut waren.

5 Berufsschulen

5.1 Rolle der Berufsschulen
Das Bundesgesetz definiert das Ausbildungsniveau CFC sowohl was das Unternehmen als auch die Berufsschule betrifft. Dieser Text hat die Weitsicht, eine Formulierung vorzusehen, bei der es die Komplementarität erlaubt, mit Schwierigkeiten und Krisen besser umzugehen. Erinnern wir uns an die Bewahrerrolle, die von den Uhrmacherschulen gespielt wurde, die heute der mechanischen Uhr und der Uhrenindustrie einen beachtenswerten Erfolg erlaubt.

Der Zugang zum Werkzeug an sich besitzt heute eine grössere Wichtigkeit als in der Vergangenheit. Um zu lernen, muss man etwas machen, noch mehr machen, das Grösstmögliche machen, wie der Musiker, der immer wieder seine Tonleitern übt. Die neuen digitalen Ausrüstungen sind teuer und müssen sich schnell amortisieren. So werden sie zur Produktion und zur Weiterbildung der Fotografen verwendet, sind also weniger für die Lehrlinge einsetzbar. Die Berufsschulen unterwerfen sich diesen Zwängen nicht und bieten einen einfacheren Zugang zu Instrumenten, im dualen System sowohl für Schüler als auch für Lehrlinge.

Die Berufschulen haben die Rolle als Quelle des Wissens inne, die die Berufsgruppe weit über die Schüler hinaus versorgen. Sie dienen als Zugangswege zu neuen Technologien und bieten die Kompetenzen ihrer Lehrer auch in öffentlichen Vorträgen an, wie es in Vevey in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Schweizer Berufsfotografen (SBf) stattfindet.

Vor einigen Jahren gab es in der Westschweiz bei der Fotoausbildung eine schwere Krise, während eines Jahres war keine Ausbildungsstelle in Unternehmen vorhanden. Die Schule von Vevey spielte dabei eine «schützende» Rolle und gewährleistete die Fortführung der Ausbildung. Ihrerseits arbeiteten die Westschweizer Berufsfotografen sehr daran, die Lage wieder ins Lot zu bringen. Dank diesem Einsatz wurde die Krise überwunden und die jetzige Zahl der Ausbildungsplätze ist zufrieden stellend. Darum kann man den Widerwillen der Westschweizer Fotografen verstehen, die, gerade aus der Krise heraus, nicht bereit sind, die erreichte Arbeit durch eine so radikale Operation wie die Abschaffung des eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses in Frage zu stellen.

Scheinbar hat die deutsche Schweiz eine solche Lage nicht gekannt, was eine Erklärung dafür sein könnte, dass das Projekt in dieser Region wesentlich weiter ausgearbeitet ist als in der Westschweiz, die dadurch zurück in die Krise stürzen könnte.

5.2 Studiengänge
Heute ist die in der Westschweiz gängige Ausbildung bestens an die Bedürfnisse der unterschiedlichen Berufswege und der Erwartungen der Studenten und Studentinnen eingestellt. Die technische Grundausbildung wird durch das duale System der Berufsschule des CFC angeboten. Die höhere Ausbildung befasst sich mit Zielen, die das neue Projekt des eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses festlegt und nicht nur mit einem Zeugnis der höheren Ausbildung korrespondiert, sondern auch mit dem Inhalt einer höheren Ausbildung. Die Studenten und Studentinnen, die diese Ausbildung zum Designer/In machen wollen, seien sie nun Fotografen oder nicht, besuchen die Ausbildung der Kunstschulen.
Über die die internationale Anerkennung des CFC hinaus, ist dieses System dem sehr nahe, das bereits in anderen Industrieländern existiert, als da sind: eine handwerkliche Grundausbildung (CAP/ BTS / BAC PRO), eine höhere Ausbildung (BAC +2 bis BAC +5) und die Kunstschulen (BAC +3 / BAC +5 / Master).

6 Projekt des eidgenössischen Fachausweises

Der Gedanke, den Beruf des Fotografen durch einen höheren Abschluss aufzuwerten, ist verführerisch und umstritten. Dennoch sollte ein höherer Fachausweis mit einem Inhalt korrespondieren, der auch wirklich höher zu nennen ist. Man kann nicht einfach den Ausbildungsinhalt des CFC-Niveaus nehmen, um ihm eine prestigeträchtigeres Aussehen zu verleihen, ohne den gesamten Prozess abzuwerten. Nun ist aber das veröffentlichte Programm der Initianten dieses Projektes enttäuschend und abschwächend. Das erste Modul spricht von der Kenntnis der Apparate, gefolgt von theoretischen Grundlagen, Grundlagen zur Unternehmensführung…

Man kann den Wunsch nach einer Abschaffung eines eidgenössischen Fähigkeitsausweises aus kostenwirtschaftlichen Gründen verstehen. Allerdings hebt sich diese Wirtschaft selbst auf, wenn das Projekt den Kandidaten einen eidgenössischen Fachausweis aus einem anderen Bereich auferlegt, was unnütze Ausbildungskosten verursacht. Im Gegensatz dazu obliegen die Ausbildungskosten ganz dem Studenten der Fotografie, der notgedrungen noch 3 Jahre opfern muss, um einen Beruf zu erlernen, den er niemals ausüben wird! Erlauben Sie uns, hier von Verschwendung zu sprechen…

Was auch immer die Meinungen und Ansichten, die Vor- und Nachteile sein mögen, dieses Projekt ruft einen unheilbaren Bruch innerhalb des Berufsstandes hervor, dessen Konsequenzen noch nicht absehbar sind. Anscheinend sollte die Vernunft die Protagonisten zur Einsicht rufen und somit zur Diskussion und zum ZUHÖREN, denn die Ausbildung bleibt ein Bereich, in dem es vielfältige Lösungen gibt. Wenn man ihm nur eine davon aufzwingen will, und dies auch noch zum Preis eines Bruches, scheint dies nicht sehr sinnvoll zu sein.

Die eidgenössische Struktur unserer Berufsorganisationen ist ein wichtiges Bindeglied zwischen den unterschiedlichen sprachlichen Regionen unseres Landes. Aus dieser Sicht scheint uns das Vorgehen der Administration, die die Rolle als Mediator aufgegeben hat, indem sie ein Projekt annimmt, welches eine Spaltung provozieren könnte, sehr bedauerlich.

7 Für eine authentische höhere Ausbildung

Eine höhere Ausbildung ist nach unserer Ansicht unabdingbar. Die Formulierung eines Befähigungsnachweises könnte eine ausgezeichnete Lösung darstellen, wenn dieses Zeugnis eine authentische höhere Ausbildung krönt, dessen Zeugnis und Examen den allgemeinen Anforderungen der höheren Ausbildung in der Westschweiz genügen.

Dieses Modell kann nur unter Beibehaltung des aktuellen Fähigkeitszeugnisses und den damit verbundenen Berufskursen funktionieren, da, selbst wenn die Formen auch für andere CFC gelten würden, es nicht weniger schwierig ist, einer derartigen Ausbildung ohne Grundkenntnisse zu folgen.

Der erste Vorteil, und nicht der kleinste, ist, nicht das vom Staat garantierte Recht der Westschweiz zu negieren, Berufsschulen anzuordnen, ohne nicht auch die anderen Regionen zu verpflichten sich zu öffnen, wenn sie es nicht wünschen.

Der zweite Vorteil ist die Sicherung einer Gleichwertigkeit eines Fähigkeitsausweises nicht nur für die Schweiz, sondern auch auf internationalem Niveau (Typ BAC +2 oder BAC +3), was auch die Tore zu europäischen Kunstschulen für die Schweizer Fotografen mit höherer Ausbildung öffnet und ihnen den Eintritt auf den Arbeitsmarkt erleichtert.

Über den Unterricht der Fotografie und ihre Techniken hinaus sollte die Ausbildung idealerweise auch Kurse in Administration für Freiberufler und Selbständige anbieten, Kurse über die Geschichte des Mediums, Theorie der Fotografie und nicht nur Technik, auch die ästhetische und kritische, sowie eine Ausbildung in Marketing, visueller Kommunikation und Werbung.

Bestandteil des Ausbildungsziels für die Studenten an diesem Beginn des 3. Jahrtausends mit all seinen Veränderungen sollte es sein, ihnen die Horizonte zu öffnen, diesen Veränderungen zu begegnen. Die Digitalfotografie öffnet die Bereiche zwischen dem feststehenden Bild und dem belebten Bild, die Schnittstelle zwischen Video und Fotografie verringert sich und die geschickteste Berufsrichtung wird Teile des Marktes für sich gewinnen … Ist die Branche der Fotografen bereit, sich dieser Aufgabe zu stellen?

Die Digitalisierung ändert die Vertriebsregeln der Bilder und die Zahlungsprinzipien, die mit ihr verbunden sind. Neue Verwendungen entstehen, traditionelle verschwinden, andere Möglichkeiten öffnen sich… Wo werden sich die künftigen Fotografen positionieren?

Man sagt, die Fotografie befinde sich in einer Krise, man fürchtet um ihr Verschwinden, doch haben wir niemals so viel per Bild kommuniziert. Die Verwaltung dieser Flut wird immer komplexer, Schutz und Konservierung unserer visuellen Erinnerung wird in Frage gestellt, viel Arbeit für die zukünftigen Fotografen… Bildbearbeiter? Laboranten? Mit welchem Fähigkeitszeugnis?

Niemals zuvor waren die Investitionen für die Fotografie so wichtig wie jetzt, einige sprechen darüber wie über ein Spekulationsobjekt und bezeichnen es als „Öl des 3. Jahrtausends“… Wie schützen die Fotografen ihre Rechte?

8 Ein Konsens

Das Projekt der Schaffung eines eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses für den Fotografen könnte die Berufsfotografen schnell in Richtung von einem Konsens bringen, sofern sie nicht mehr die Unterschiede der Berufsausübungen bestreiten und kohärente Terminologien verwenden. Aus diesem Grund erlauben wir uns, folgendes vorzuschlagen:

– die Beibehaltung des aktuellen eidgenössischen Fähigkeitsausweises;

– die Schaffung eines Fähigkeitsausweises, dessen Ausbildung und Zeugnis mit denen der höheren Ausbildung des Westschweiz korrespondiert (ES).

Das Interesse dieser Regelung liegt darin, dass so die Grundausbildung nicht gefährdet ist, die die Mehrheit aller Fotografen der Schweiz ausüben und die zudem sehr nützlich ist, wenn das System des Fähigkeitsausweises ein Fehlschlag sein sollte.

Mit diesen Überlegungen hoffen wir, die Protagonisten dieser Debatte von der absoluten Notwendigkeit überzeugen zu können, für diesen Berufszweig zum einen einen Konsens zu finden und die notwendige Abgeklärtheit für eine Ausarbeitung eines grundlegenden Projektes der eidgenössischen Ausbildung, die es möglich macht, sich den Aufgaben am Anfang des 21. Jh. Zu stellen.

Jean-Marc Yersin

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Pascale et Jean-Marc Bonnard Yersin – Directeurs conservateurs
Musée suisse de l’appareil photographique – Ville de Vevey
Grande-Place 99, CH-1800 Vevey
Tel: ++41 (0)21 925.21.40 – Mobile 079 231.77.92 – Fax: ++41 (0)21 921.64.58
mailto:cameramuseum@vevey.ch – http://www.cameramuseum.ch


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